Leben 4.0 – alles smart gelöst

Weihnachten liegt hinter uns, und dank gut gefüllter Gabentische wird das Leben wieder digitaler, indirekter und bequemer. Immer häufiger putzen Roboter die Fenster, saugen Staub und mähen Rasen, ohne dass man noch einen Gedanken darauf verschwenden muss. „Das Internet der Dinge verbessert nicht nur Produktionsprozesse und Produkte, es verän­dert auch das Leben aller Beteiligten“, schreibt der BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) im Netz: „Komplexe Produktions­prozesse und kleine Alltagsverrich­tungen zwischen Dingen, Dienstleistungen und Menschen sind heute digital vernetzt.“ Das schaffe neue Dynamiken bis hinein in unser aller Leben.

Brett vorm Kopf statt in der Hand: Die Zukunft ist virtuell.

Und dynamisch wollen wir doch sein! Im Leben 4.0 ist alles smart gelöst: Die Facebook-Timeline mit Bildern, Statusbeschreibungen und Kommentaren ersetzt das verstaubte Tagebuch, den Lebenslauf gibt’s jetzt als öffentliches Profil, Briefe werden per WhatsApp geschrieben und Gefühle drücken wir per Emoji aus… Weiterlesen

Als aus meinem Urururgroßvater ein Bürger wurde

Zum Jahresende ein kleiner Gedanke, der mir immer mal wieder durch den Kopf geht: Vor vielen Jahren las ich im Sterberegister über einen meiner Urururgroßväter, der 1773 geboren war und 1818 starb, den Eintrag „Bürger und Feldmaurer“. Es irritierte mich, weil ich noch nie gelesen hatte, dass irgendjemand im Sterberegister Bürger genannt wurde. Jahre später wurde mir klar, was das aller Wahrscheinlichkeit zu bedeuten hatte. Zu Lebzeiten dieses Mannes war die Leibeigenschaft abgeschafft worden. Vermutlich war er als Leibeigener aufgewachsen und als Bürger gestorben. Was für ein gewaltiger Umbruch mag das damals im Leben der Menschen bedeutet haben. Es gibt genügend Zeitzeugnisse, die nahelegen, dass die Leibeigenen froh gewesen sein sollten, diesen neuen Status zu erhalten. Ich habe aber auch einmal von jemandem gelesen, der mit der neuen Freiheit und der damit einhergehenden Notwendigkeit, eigenständig Entscheidungen zu treffen, (auf die ihn nie jemand vorbereitet hatte,) nicht gut zurecht kam. Im optimalen Fall hatte der alte Status auch eine Form von Sicherheit geboten.
Seit mir dieser Wechsel vom Leibeigenen zum Bürger innerhalb eines Lebens bewusst wurde, denke ich anders darüber nach, was „Bürger-sein“ eigentlich bedeutet. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurden mit dem Begriff ja durchaus unterschiedliche Vorstellungen verknüpft, begehrliche zum Beispiel, wenn jemand bestrebt war, den Sprung ins Bildungsbürgertum zu schaffen. Aber auch gegenteilige, wenn jemand naserümpfend als bürgerlich, kleinbürgerlich oder umgekehrt als großbürgerlich bezeichnet wurde oder wird. Im Grunde muss man doch zum Ursprung zurückgehen, um sich zu vergegenwärtigen, dass Bürger zu sein bedeutet, Rechte zu haben und mitreden zu dürfen – von den Pflichten mal ganz abgesehen. Die Frage ist wohl, was man draus macht …
Da Biografien viel mit Vergangenheit, Gesellschaft und sozialen Bedingungen zu tun haben, ist das vielleicht ein Gedanke, der auch euch / Sie faszinieren könnte.
Beate Friedrich-Lautenbach
http://www.textundleben.de

Der rote Faden

Auf meinem Nachttisch liegt ein Tagebuch, in das ich jeden Abend schreibe, worüber ich heute glücklich gewesen bin, was mich mit Dankbarkeit erfüllt und welche Erfolge ich hatte. An einem faulen Sonntag besteht der Erfolg vielleicht nur darin, die Küche aufgeräumt und einen besonders langen Spaziergang mit dem Hund gemacht zu haben. Mich erdet das sehr und beruhigt die zu mir gehörenden Zweifel, ob ich wirklich alles gut genug mache oder eigentlich besser sein sollte.

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Irgendwo gibt es sie, die Worte eines Menschen, die in ihm leben

„Ich bin 1936 geboren. Von klein auf musste ich meine sechs jüngeren Geschwister betreuen, denn die Mutter war krank. Abends hatte ich den gesamten Haushalt zu erledigen, abzuwaschen natürlich von Hand, dann alle Schuhe zu putzen und in einer langen Reihe aufzustellen; ab etwa 22 Uhr war ich mit allem fertig, dann durfte ich Hausaufgaben machen.

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Die Macht unterbewusster Zweifel

Es war hier mehrfach die Rede von Kosten, die eine private Biografie verursacht. Die Beispielrechnungen kann ich voll bejahen, die Realität sähe oft noch wesentlich teurer aus, wenn man den gesamten Aufwand in Cent und Euro ummünzen würde. Ich möchte hier noch einen anderen Gedanken in den Vordergrund stellen: das Bewusstsein des Kunden bzw. des Interessenten als möglichen Entscheidungsfaktor pro oder kontra Biografieprojekt. Weiterlesen