Der rote Faden

Auf meinem Nachttisch liegt ein Tagebuch, in das ich jeden Abend schreibe, worüber ich heute glücklich gewesen bin, was mich mit Dankbarkeit erfüllt und welche Erfolge ich hatte. An einem faulen Sonntag besteht der Erfolg vielleicht nur darin, die Küche aufgeräumt und einen besonders langen Spaziergang mit dem Hund gemacht zu haben. Mich erdet das sehr und beruhigt die zu mir gehörenden Zweifel, ob ich wirklich alles gut genug mache oder eigentlich besser sein sollte.

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Wer schreibt heutzutage eigentlich seine Biographie?

Dies ist mit Abstand die häufigste Frage, die mir als Biographin gestellt wird: „Wer macht so was eigentlich, wer lässt seine eigene Biographie schreiben?“ Die Frage hat etwas mit Verunsicherung zu tun, in ihr schwingt oft mit: „Ich bin ja weder prominent noch Narzisst, ich brauche das nicht zu tun. Und eigentlich darf ich es auch gar nicht.“

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Altmodisch-schön

Es gibt einige schöne Gewohnheiten und Gesten, die in Vergessenheit geraten sind. An eine solche erinnerte mich mein Schreibkursteilnehmer – selbst schon Ende 80.
Mittlerweile treffen wir uns abseits des ehemaligen Veranstalters VHS abwechselnd im privaten Umfeld. Zwar steht das Schreiben neuer biografischer Lebenskapitel bei den neun Mitgliedern weiterhin im Mittelpunkt, darüber hinaus ist nach den über vier Jahren ein Freundeskreis entstanden. So bleibt es nicht aus, das neben dem Lesen und besprechen des Geschriebenen ein leckerer Imbiss mit dem ein oder anderen Glas Wein kredenzt wird.

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Biographie und Therapie – Konkurrenz oder Kollegen?

Kollegialer Austausch der Biograph/innen während der Fachtagung und anschließenden Lesung in der Mohrvilla München/Freimann, ©Dr. Ralf Willms

Vom 19. – 21. Januar 2018 trafen sich Biographen und Biographinnen des Biographiezentrums (ganz schön viel Biographie – es ist aber auch ein schönes Wort) in der Mohrvilla in München/Freimann zu einer kollegialen Fachtagung, die mit einer wunderbar gelungenen Soiree und Matinee im Gewölbesaal ihren krönenden Abschluss fand. Bevor ich mich dem Thema der Überschrift widme, ist es mir eine Herzensangelegenheit zu betonen, dass es sich lohnt, einer solchen Lesung beizuwohnen. Ob als lesende/r Biograph/in, als dessen Auftraggeber oder als Hörer. Das Potpourri aus Privatbiographien, die unterschiedlichen Lesarten und die Stimmung des Publikums ergaben einen wunderbaren Resonanzkörper, der in den anschließenden Gesprächen einen inspirierenden Nachhall fand. Da die Lesung professionell vertont wurde, steht in Kürze ein Band zur Verfügung, um alle Beiträge nachzuhören. Nochmal: Es lohnt sich! Reinkommen! Reinhören!

An dieser Stelle ein großer Dank an alle Mitglieder, die das Event – und kommende – geistig und finanziell mittragen und natürlich an Dr. Andreas Mäckler und Andrea Richter, die es organisiert und ausgerichtet haben.

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Irgendwo gibt es sie, die Worte eines Menschen, die in ihm leben

„Ich bin 1936 geboren. Von klein auf musste ich meine sechs jüngeren Geschwister betreuen, denn die Mutter war krank. Abends hatte ich den gesamten Haushalt zu erledigen, abzuwaschen natürlich von Hand, dann alle Schuhe zu putzen und in einer langen Reihe aufzustellen; ab etwa 22 Uhr war ich mit allem fertig, dann durfte ich Hausaufgaben machen.

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Umzug – mit der Vergangenheit aufräumen

Ich bin vor kurzem umgezogen. Neben einer sympathischen Wohnung, die mir zwei Jahre lang als „Friedenshort“ gedient hat, habe ich diesmal auch ein ganzes Leben hinter mir gelassen: eine Ehe, ein belastendes „Wechselmodell“ und sogar einen Sohn. Mehr als die anderen fünf Umzüge der vergangenen 15 Jahre bedeutet dieser also einen biografischen Wendepunkt.

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Hallelujah!

Wie aus einer Partyplanung ein autobiographisches Projekt wurde

Da musste ich 48 Jahre alt werden, um einem veritablen Selbstmissverständnis auf die Spur zu kommen. Bis vor Kurzem behauptete ich voller Überzeugung, ich tanze nicht gern. Doch das stimmt gar nicht. Ich tanze sogar sehr gern, aber nur zu Musik, die ich richtig gut finde. Die gemeine Party außer Haus bietet das leider meistens nicht. Sicher, man kann den Party-DJ fragen, ob er das eine Herzenslied spielt, dann warten, ob er sich erbarmen wird, nur um gegebenenfalls beim ersten Akkord wie ein dressierter Hund alles stehen und liegen zu lassen und auf die Tanzfläche zu stürmen für drei Minuten kleines Glück. Das kommt mir ziemlich jugendlich vor, und ich bin nun einmal inzwischen sehr erwachsen.

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Lebensgeschichte einmal anders – ein modernes (wahres) Märchen

Es war einmal eine Lektorin und Biografin, die eines Tages unverhofft die Lektoratsanfrage eines jungen Mannes erhielt, der in vier Jahren Nachtarbeit im Geheimen einen 550 Seiten langen Roman geschrieben hatte. Und es zeigte sich, dass der junge Mann es eilig hatte, denn sein Roman musste unbedingt bis zum Tag X als Buch vorliegen – und dieser Tag war nicht mehr allzu fern.

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Eine neue Erfahrung

Jetzt ist es passiert: ich habe erstmals einen Kunden, der jünger ist als ich. Gut, ich habe mich daran gewöhnt, dass seit geraumer Zeit in meinem Brot-und-Butter-Job als Technischer Redakteur meine Chefs jünger sind als ich und noch in den Kindergarten gingen, als beispielsweise auf der Bonner Hofgartenwiese die große Friedensdemonstration stattfand. Aber in unserem Metier des Lebensgeschichtenaufschreibens hatte ich bisher immer mit hochbetagten Herrschaften zu tun, die gelegentlich nach Ende des Projekts das Zeitliche segneten – oder in einem Fall auch davor.

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Biografien im Self-Publishing – Wie ein Buch das Licht der Welt erblickt

Sie schreiben Ihre Biografie oder Ihre biografischen Erinnerungen? Sehr gut.
Mit Unterstützung eines/einer erfahrenen Biografin? Ausgezeichnet!

narrative-794978_1280Sie möchten Ihre Geschichte als Einzelexemplar oder in kleiner Auflage im Copyshop vervielfältigen oder in einer Druckerei perfekt drucken und binden lassen – auf dass Ihre Lebensgeschichte im familiären/privaten Umfeld verteilt und weitergereicht wird und so der Nachwelt erhalten bleibt?
Dann haben Sie das Wichtigste erreicht: Sie werden nie vergessen werden. Zumindest nicht im Kreis von Freunden und Verwandten.

Vielleicht aber hoffen Sie (warum auch nicht!), dass Ihre einzigartige Lebensgeschichte auch fremde Menschen bereichern, faszinieren, erheitern oder stärken könnte … Weiterlesen