Der Zuhörkiosk

In der Hamburger U-Bahn-Station Emilienstraße sitzt Christoph Busch in seinem Kiosk. Er verkauft keine Zeitungen oder Kaffee zum Mitnehmen. Er verkauft gar nichts, im Gegenteil. Er bietet Zuhören an. Kostenlos. Wer immer möchte, kann in “das Ohr”, so heißt sein Kiosk, kommen und erzählen. Seit Januar hat der 71-jährige Hör- und Drehbuchautor den Kiosk gemietet, für ein halbes Jahr. „Ich höre gerne Menschen zu, weil ich selber viel davon habe“, sagt er. Und die Menschen nehmen das Angebot an, setzen sich zu ihm, erzählen. Manchmal ist es ein Satz, manchmal eine ganze Lebensgeschichte. Berührende und traurige Geschichten hört Christoph Busch. Ganz uneigennützig macht er es allerdings nicht, er sammelt die Erzählungen, um ein Buch daraus zu machen. Und er hat schon so viele Geschichten bekommen, dass er das Projekt vielleicht früher als geplant beendet. So lange ist es für die Menschen, denen er seine Zeit und Aufmerksamkeit widmet, jedenfalls ein so ungewöhnliches wie schönes Angebot. „Die Leute wollen, dass du ihnen zuhörst“, resümiert Christoph Busch. So wurde er auch schon gefragt, ob es so etwas auch an anderen Orten gibt.

Mir ist davon nichts bekannt, aber nachahmenswert ist es auf jeden Fall.

 

Hallelujah!

Wie aus einer Partyplanung ein autobiographisches Projekt wurde

Da musste ich 48 Jahre alt werden, um einem veritablen Selbstmissverständnis auf die Spur zu kommen. Bis vor Kurzem behauptete ich voller Überzeugung, ich tanze nicht gern. Doch das stimmt gar nicht. Ich tanze sogar sehr gern, aber nur zu Musik, die ich richtig gut finde. Die gemeine Party außer Haus bietet das leider meistens nicht. Sicher, man kann den Party-DJ fragen, ob er das eine Herzenslied spielt, dann warten, ob er sich erbarmen wird, nur um gegebenenfalls beim ersten Akkord wie ein dressierter Hund alles stehen und liegen zu lassen und auf die Tanzfläche zu stürmen für drei Minuten kleines Glück. Das kommt mir ziemlich jugendlich vor, und ich bin nun einmal inzwischen sehr erwachsen.

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Wie werden wir im Alter leben? Die Ausstellung “Dialog mit der Zeit”

Ich will die Tür aufschließen, aber ich zittere so sehr, dass ich den Schlüssel trotz größten Bemühens einfach nicht ins Schlüsselloch bekomme. Dann steige ich Treppen, doch ich kann kaum die Füße voreinander setzen, so schwer sind sie. So wie mir geht es allen, die sich in den „Dialog mit der Zeit“ begeben haben, einer Ausstellung zu den „Herausforderungen und Perspektiven des Alterns in unserer Gesellschaft“ im Museum für Kommunikation in Berlin. An weiteren Stationen versuche ich, telefonisch Kinokarten zu bestellen, obwohl ich schlecht hören kann, oder unter Simulation verschiedener Augenkrankheiten wie dem Grauen Star dort Zahlen zu erkennen, wo ich vor allem graue pfützenartige Gebilde sehe.

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