Wendepunkte im Leben

Wenn wir auf unser Leben zurückblicken, um zu bilanzieren und zu erkennen, was uns ausmacht und wichtig für uns war und noch immer ist, dann ist es hilfreich, die biografischen Wendepunkte in den Blick zu nehmen. Es gibt sie in jedem Werdegang: die Momente, an denen sich das Leben um 180 Grad dreht. Wendepunkte in der Biografie können Gipfel aber auch Talsohlen sein.

Auf die Höhepunkte arbeiten wir mehr oder wenig bewusst hin – wir setzen uns Ziele, die wir erreichen wollen. Sowohl im Privat- als auch im Berufsleben. Wir suchen einen Partner fürs Leben, gründen eine Familie oder streben an, uns innerlich weiterzuentwickeln. Erfolge im Sport, in der künstlerischen Betätigung oder Vorankommen im sozialen Engagement sind Beispiele für biografische Medaillen, die wir erhalten können. Im Beruf lassen wir uns aus- und weiterbilden, umschulen, füllen die Tätigkeit gewinnbringend aus, ernten Anerkennung für geleistete Arbeit. Wir spüren auf dem Weg dorthin den Aufschwung und am Ziel, dass wir etwas vollendet oder zur Reife gebracht haben, was wir uns ersehnt hatten.

Die Tiefpunkte im Leben können wir bisweilen erahnen, sie kündigen sich an, wenn eine Beziehung disharmonisch zu werden scheint, die körperlichen Kräfte nachlassen, der Erfolg ausbleibt oder wir Widerstände von außen erleben. Dann können wir uns darauf vorbereiten, in dem wir uns für ungewohnte Wege öffnen, loslassen oder auch nur akzeptieren, dass alles einem Wandel unterliegt. Schwerer zu tragen sind Schicksalsschläge wie Krankheiten oder Verluste, die durch unvorhersehbare Ereignisse ausgelöst werden. Es scheint, dass wir unser Leben nicht mehr in der Hand haben, die Gefühle einen zu überwältigen drohen, der Alltag gerät ins Wanken. Kein Stein steht mehr auf dem anderen. Was ehemals wichtig war, wird zur Nebensache, dass was vormals drängte, verliert seinen Druck, gerät an den Rand der eigenen Bemühung, entschwindet unserer Aufmerksamkeit. Schicksalhafte Erlebnisse können Aufwacherlebnisse werden, weil wir uns neu orientieren und in den Blick nehmen müssen, was uns innerlich ausmacht, abseits der gewohnten Bahnen, Einstellungen und Perspektiven.

Zu erfassen, welche Wendepunkte wir durchlaufen haben und welche Entwicklung diese bei uns auslösten, ebnet den Weg, die eigene Lebensgeschichte aufzuschreiben oder durch eine/n BiografIn aufschreiben zu lassen. Denn diese Erlebnisse zeigen, wie wir zu dem wurden, was wir heute sind. Darauf aufbauende Fragen können sein: Wer oder was hat mich in diesen Umbruchzeiten begleitet, gefördert oder auch herausgefordert? Was half mir, schwierige Zeiten zu durchleben? Welche Erfahrungen möchte ich an andere weitergeben?

Jedes Leben ist es wert, aufgeschrieben zu werden – für sich und auch für andere.

Michaela Frölich www.schreibatelier-froelich.de

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