Willkommen im Blog des Biographiezentrums!

Ergänzend zu unserer Website www.biographiezentrum.de, auf der sowohl alle Mitglieder als auch alle biographischen Angebote und Seminare aufgeführt sind, finden Sie hier aktuelle Beiträge zum weiten Themenbereich des biographischen Arbeitens und Publizierens. Wir laden Sie herzlich ein, sich in Form von Kommentaren und eigenen Beiträgen am Wachstum dieses Forums zu beteiligen.

Erste Impressionen über unsere Arbeit und unsere Mitglieder erhalten Sie auch in den folgenden Filmen:

Film über das Biographiezentrum – Vereinigung deutschsprachiger Biographinnen und Biographen

Mitglieder des Biographiezentrums sprechen über ihre Arbeit

Über die vier Motivationen beim Schreiben von Biographien

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Liebe Leserinnen und Leser,

Warum schreibt jemand seine eigene Biographie?

Vielleicht stöhnen Sie da jetzt innerlich auf…. Ich könnte das gut nachvollziehen, denn diese Frage ist wirklich sehr allgemein formuliert. Aber sie  mir tatsächlich immer wieder gestellt. Meistens nicht von denen, die ihre Biographie schließlich wirklich schreiben, sondern von „den Neugierigen“. Auch wenn ich die Frage nie so recht mochte, habe ich festgestellt, dass sie sehr spannend werden und dass sie dabei weiterhelfen kann, das eigene Projekt zu konzipieren. Das gilt insbesondere dann, wenn der Wunsch nach der eigenen Biographie sehr stark ist, die Umsetzung aber dennoch einfach nicht vorangeht.

Die meisten Biographie-Schreibenden folgen ihrer Intuition: Sie haben den Wunsch nach ihrer Biographie, also schreiben sie. Und das ist auch vollkommen richtig so. Dennoch höre ich immer wieder von versandeten Projekten, von vernichteten Manuskript-Ordnern und von monatelangen Schreibblockaden. Und in diesen Fällen lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die Motivation(en) zu werfen.

Vortrag und Video über die vier Motivationen beim Schreiben von Biographien

Ich habe diesem Thema ein Vortrag gewidmet, den ich vor zwei Wochen in der Stadtbibliothek Stuttgart-Ost gehalten habe und den es ab heute auch als Video gibt. Nach meiner Erfahrung sind es vier Motivationen, auf die letztlich alle Biographieprojekte zurückzuführen sind. Das im Bild dargestellte Schema ist als Übersicht geeignet.

Was steckt hinter diesen vier Motivationen?
Hier gebe ich Ihnen zunächst eine Kurzfassung:

1.) Prestige / Öffentlichkeit 

Diese Motivation leitet uns, wenn wir Anerkennung suchen und uns der Öffentlichkeit (oder einem bestimmten Kreis) zeigen wollen. Und wenn wir denken, dass unsere Geschichte für andere relevant und interessant ist. (Typische Beispiele: Sensationelle Erlebnisse & Promi-Status)

2.) Wissen / Erkenntnis

Dieser Antrieb liegt vor, wenn wir in unserem Leben ein bestimmtes objektives Wissen oder eine Erkenntnis gewonnen haben, die wir „der Welt“ weitergeben wollen. (Typische Beispiele: Erfahrungsberichte, Krankengeschichten, Unternehmergeschichten, Lebens- und Erkenntniswege von „Gurus“ oder Wissenschaftlern).

3.) Nähe / BeziehungManchmal hat unser Buch eine/n direkten Adressaten/in: Wenn wir unsere Beziehung zu bestimmten Menschen stärken, sie trösten oder versöhnen wollen. Und wenn wir jemandem die große Bedeutung, die er/sie für uns hat, verdeutlichen wollen. (Typische Beispiele:  Ein Buch für mein Kind, Enkelkind, Partner, Nachfahren).

4.) Ich selbst werden

Hier schreibt jemand in erster Linie für sich selbst, es geht also um Ich-Suche und Identitätsklärung. Kurz, um das Bedürfnis, sich selbst besser zu verstehen. Und oft auch darum, uns zu befragen, ob wir den richtigen Weg gewählt haben und zu erkennen, wie es in Zukunft in unserem Leben weitergehen soll. In dieser Motivation liegt also auch eine Dynamik und das Potential, am eigenen zukünftigen Leben mitzuschreiben.

Wozu ist das Schema von den vier Motivationen nützlich?

Hinter jeder dieser Motivationen steht eine ganz bestimmte Auffassung davon, was es eigentlich bedeutet, seine Biographie zu schreiben. Man kann also sagen, die vier Motivationen verdeutlichen, wie breit das Thema Biographie ist. Zugleich führen sie die Widersprüchlichkeit der Auffassungen vor Augen, die oftmals gleichzeitig im Raum sind. Sie sorgen nicht selten für (innere und äußere) Konflikte, zu deren Klärung und Auflösung das Schema beitragen kann.

 

Eine ausführliche Erläuterung zu den vier Motivationen erhalten Sie im aktuellen Video-Vortrag.

Hier geht es zu dem Video.
Hier geht es zu dem im Video erwähnten Handout.

 

Gibt es Zufälle?

Es ist immer wieder interessant zu hören, wie wir Biografinnen und Biografen des Biographiezentrums von potentiellen Kunden gefunden und ausgewählt werden. Eine besondere Geschichte dieses Suchens und Findens möchte ich hier (mit Zustimmung meines Kunden) weitergeben. Seit ein paar Wochen arbeiten wir gemeinsam an seiner umfangreichen Biografie, die 1929 in Rumänien/Siebenbürgen begann und ihn 1972 nach Deutschland führte. Kürzlich schrieb er mir ausführlich, durch welche Zufälle er zu »seiner« Biografin kam:

»Liebe Frau Richter, ein kurzer Einblick über unser seltsames, kurioses Zusammenkommen …

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Wendepunkte im Leben

Wenn wir auf unser Leben zurückblicken, um zu bilanzieren und zu erkennen, was uns ausmacht und wichtig für uns war und noch immer ist, dann ist es hilfreich, die biografischen Wendepunkte in den Blick zu nehmen. Es gibt sie in jedem Werdegang: die Momente, an denen sich das Leben um 180 Grad dreht. Wendepunkte in der Biografie können Gipfel aber auch Talsohlen sein.

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Der rote Faden

Auf meinem Nachttisch liegt ein Tagebuch, in das ich jeden Abend schreibe, worüber ich heute glücklich gewesen bin, was mich mit Dankbarkeit erfüllt und welche Erfolge ich hatte. An einem faulen Sonntag besteht der Erfolg vielleicht nur darin, die Küche aufgeräumt und einen besonders langen Spaziergang mit dem Hund gemacht zu haben. Mich erdet das sehr und beruhigt die zu mir gehörenden Zweifel, ob ich wirklich alles gut genug mache oder eigentlich besser sein sollte.

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Wer schreibt heutzutage eigentlich seine Biographie?

Dies ist mit Abstand die häufigste Frage, die mir als Biographin gestellt wird: „Wer macht so was eigentlich, wer lässt seine eigene Biographie schreiben?“ Die Frage hat etwas mit Verunsicherung zu tun, in ihr schwingt oft mit: „Ich bin ja weder prominent noch Narzisst, ich brauche das nicht zu tun. Und eigentlich darf ich es auch gar nicht.“

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Sich vollständiger fühlen

Ich habe meine beiden Eltern immer wieder angestupst und aufgefordert, ihr Leben aufzuschreiben. Mein Vater machte vor elf Jahren einen Vorstoß, indem er in einem Brief an meine Kinder seine Kindheitserinnerungen an den Krieg schilderte. Einige Jahre später setzte er sich ernsthaft an seine Biografie. Letztes Jahr wurde sie fertig und er verteilte 50 Exemplare an Freunde und Verwandte. Meine Mutter war etwas schneller und hatte die erste Hälfte ihres Lebens schon im Jahr zuvor niedergeschrieben und als Buch drucken lassen.

Die beiden Lebensgeschichten meiner Eltern jetzt im Bücherregal stehen zu haben, bedeutet mir mehr als ich dachte. Sie zum Schreiben angeregt zu haben, war gewissermaßen meinem Beruf geschuldet gewesen. Ich merkte aber zunehmend, dass es mehr mit mir machte. Weiterlesen

Vier Überraschungen

In meiner Arbeit als Biografin leite ich auch Menschen an, die selbst schreiben wollen. Vor fünf Jahren begann in der Volkshochschule Göppingen die erste biografische Schreibwerkstatt. In einer kleinen Gruppe verfassten meine TeilnehmerInnen Erinnerungstexte und lasen vor. Es gab einiges zu staunen. Als ersten Schreibimpuls hatte ich mir überlegt:

„Ein schönes Erlebnis aus meiner Kindheit.“

So allgemein sollte das doch für alle passen. Prompt protestierte eine Frau: „In meiner Kindheit gab es keine schönen Erlebnisse.“

Schock. So schlimm?

Was nun?

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Die Sache mit der Diskretion – warum ich die Interviewphase liebe

Es ist geschafft. Der Antrittsbesuch hat nicht zu einem vorzeitigen Abbruch der Beziehung geführt, der Interessent ist mit den Preisvorstellungen einverstanden, hat den Vertrag unterschrieben, wir haben uns auf den Modus der Zusammenarbeit geeinigt und ich darf mein Gegenüber jetzt zu meiner großen Freude als Kunden ansehen.

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Der Zuhörkiosk

In der Hamburger U-Bahn-Station Emilienstraße sitzt Christoph Busch in seinem Kiosk. Er verkauft keine Zeitungen oder Kaffee zum Mitnehmen. Er verkauft gar nichts, im Gegenteil. Er bietet Zuhören an. Kostenlos. Wer immer möchte, kann in “das Ohr”, so heißt sein Kiosk, kommen und erzählen. Seit Januar hat der 71-jährige Hör- und Drehbuchautor den Kiosk gemietet, für ein halbes Jahr. „Ich höre gerne Menschen zu, weil ich selber viel davon habe“, sagt er. Und die Menschen nehmen das Angebot an, setzen sich zu ihm, erzählen. Manchmal ist es ein Satz, manchmal eine ganze Lebensgeschichte. Berührende und traurige Geschichten hört Christoph Busch. Ganz uneigennützig macht er es allerdings nicht, er sammelt die Erzählungen, um ein Buch daraus zu machen. Und er hat schon so viele Geschichten bekommen, dass er das Projekt vielleicht früher als geplant beendet. So lange ist es für die Menschen, denen er seine Zeit und Aufmerksamkeit widmet, jedenfalls ein so ungewöhnliches wie schönes Angebot. „Die Leute wollen, dass du ihnen zuhörst“, resümiert Christoph Busch. So wurde er auch schon gefragt, ob es so etwas auch an anderen Orten gibt.

Mir ist davon nichts bekannt, aber nachahmenswert ist es auf jeden Fall.

 

Altmodisch-schön

Es gibt einige schöne Gewohnheiten und Gesten, die in Vergessenheit geraten sind. An eine solche erinnerte mich mein Schreibkursteilnehmer – selbst schon Ende 80.
Mittlerweile treffen wir uns abseits des ehemaligen Veranstalters VHS abwechselnd im privaten Umfeld. Zwar steht das Schreiben neuer biografischer Lebenskapitel bei den neun Mitgliedern weiterhin im Mittelpunkt, darüber hinaus ist nach den über vier Jahren ein Freundeskreis entstanden. So bleibt es nicht aus, das neben dem Lesen und besprechen des Geschriebenen ein leckerer Imbiss mit dem ein oder anderen Glas Wein kredenzt wird.

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