Willkommen im Blog des Biographiezentrums!

Ergänzend zu unserer Website www.biographiezentrum.de, auf der sowohl alle Mitglieder als auch alle biographischen Angebote und Seminare aufgeführt sind, finden Sie hier aktuelle Beiträge zum weiten Themenbereich des biographischen Arbeitens und Publizierens. Wir laden Sie herzlich ein, sich in Form von Kommentaren und eigenen Beiträgen am Wachstum dieses Forums zu beteiligen.

Erste Impressionen über unsere Arbeit und unsere Mitglieder erhalten Sie auch in den folgenden Filmen:

Film über das Biographiezentrum – Vereinigung deutschsprachiger Biographinnen und Biographen

Mitglieder des Biographiezentrums sprechen über ihre Arbeit

Leben 4.0 – alles smart gelöst

Weihnachten liegt hinter uns, und dank gut gefüllter Gabentische wird das Leben wieder digitaler, indirekter und bequemer. Immer häufiger putzen Roboter die Fenster, saugen Staub und mähen Rasen, ohne dass man noch einen Gedanken darauf verschwenden muss. „Das Internet der Dinge verbessert nicht nur Produktionsprozesse und Produkte, es verän­dert auch das Leben aller Beteiligten“, schreibt der BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) im Netz: „Komplexe Produktions­prozesse und kleine Alltagsverrich­tungen zwischen Dingen, Dienstleistungen und Menschen sind heute digital vernetzt.“ Das schaffe neue Dynamiken bis hinein in unser aller Leben.

Brett vorm Kopf statt in der Hand: Die Zukunft ist virtuell.

Und dynamisch wollen wir doch sein! Im Leben 4.0 ist alles smart gelöst: Die Facebook-Timeline mit Bildern, Statusbeschreibungen und Kommentaren ersetzt das verstaubte Tagebuch, den Lebenslauf gibt’s jetzt als öffentliches Profil, Briefe werden per WhatsApp geschrieben und Gefühle drücken wir per Emoji aus… Weiterlesen

Zehn Jahre »Salon-Reisen« – Über die Erkundung der Welt vom Schreibtisch aus

Bequemer geht’s nicht: In meinem »Salon-Waggon« reise ich seit über zehn Jahren rund um die Welt. Komfortabel, behaglich und immer mit einer Prise Spannung, wo der »Salon Schwarz auf Weiss« das nächste Mal Station machen wird. Meine Reiserouten suche ich mir nicht selbst aus. Ein unbekannter Anrufer/in, eine Mail, ein erstes Treffen, Übergabe der Reiseunterlagen – und schon geht’s wieder los mit fremdem Ziel. Das nächste Biografie-Abenteuer lockt …

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Als aus meinem Urururgroßvater ein Bürger wurde

Zum Jahresende ein kleiner Gedanke, der mir immer mal wieder durch den Kopf geht: Vor vielen Jahren las ich im Sterberegister über einen meiner Urururgroßväter, der 1773 geboren war und 1818 starb, den Eintrag „Bürger und Feldmaurer“. Es irritierte mich, weil ich noch nie gelesen hatte, dass irgendjemand im Sterberegister Bürger genannt wurde. Jahre später wurde mir klar, was das aller Wahrscheinlichkeit zu bedeuten hatte. Zu Lebzeiten dieses Mannes war die Leibeigenschaft abgeschafft worden. Vermutlich war er als Leibeigener aufgewachsen und als Bürger gestorben. Was für ein gewaltiger Umbruch mag das damals im Leben der Menschen bedeutet haben. Es gibt genügend Zeitzeugnisse, die nahelegen, dass die Leibeigenen froh gewesen sein sollten, diesen neuen Status zu erhalten. Ich habe aber auch einmal von jemandem gelesen, der mit der neuen Freiheit und der damit einhergehenden Notwendigkeit, eigenständig Entscheidungen zu treffen, (auf die ihn nie jemand vorbereitet hatte,) nicht gut zurecht kam. Im optimalen Fall hatte der alte Status auch eine Form von Sicherheit geboten.
Seit mir dieser Wechsel vom Leibeigenen zum Bürger innerhalb eines Lebens bewusst wurde, denke ich anders darüber nach, was „Bürger-sein“ eigentlich bedeutet. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurden mit dem Begriff ja durchaus unterschiedliche Vorstellungen verknüpft, begehrliche zum Beispiel, wenn jemand bestrebt war, den Sprung ins Bildungsbürgertum zu schaffen. Aber auch gegenteilige, wenn jemand naserümpfend als bürgerlich, kleinbürgerlich oder umgekehrt als großbürgerlich bezeichnet wurde oder wird. Im Grunde muss man doch zum Ursprung zurückgehen, um sich zu vergegenwärtigen, dass Bürger zu sein bedeutet, Rechte zu haben und mitreden zu dürfen – von den Pflichten mal ganz abgesehen. Die Frage ist wohl, was man draus macht …
Da Biografien viel mit Vergangenheit, Gesellschaft und sozialen Bedingungen zu tun haben, ist das vielleicht ein Gedanke, der auch euch / Sie faszinieren könnte.
Beate Friedrich-Lautenbach
http://www.textundleben.de

Über die vier Motivationen beim Schreiben von Biographien

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Liebe Leserinnen und Leser,

Warum schreibt jemand seine eigene Biographie?

Vielleicht stöhnen Sie da jetzt innerlich auf…. Ich könnte das gut nachvollziehen, denn diese Frage ist wirklich sehr allgemein formuliert. Aber sie  mir tatsächlich immer wieder gestellt. Meistens nicht von denen, die ihre Biographie schließlich wirklich schreiben, sondern von „den Neugierigen“. Auch wenn ich die Frage nie so recht mochte, habe ich festgestellt, dass sie sehr spannend werden und dass sie dabei weiterhelfen kann, das eigene Projekt zu konzipieren. Das gilt insbesondere dann, wenn der Wunsch nach der eigenen Biographie sehr stark ist, die Umsetzung aber dennoch einfach nicht vorangeht.

Die meisten Biographie-Schreibenden folgen ihrer Intuition: Sie haben den Wunsch nach ihrer Biographie, also schreiben sie. Und das ist auch vollkommen richtig so. Dennoch höre ich immer wieder von versandeten Projekten, von vernichteten Manuskript-Ordnern und von monatelangen Schreibblockaden. Und in diesen Fällen lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die Motivation(en) zu werfen.

Vortrag und Video über die vier Motivationen beim Schreiben von Biographien

Ich habe diesem Thema ein Vortrag gewidmet, den ich vor zwei Wochen in der Stadtbibliothek Stuttgart-Ost gehalten habe und den es ab heute auch als Video gibt. Nach meiner Erfahrung sind es vier Motivationen, auf die letztlich alle Biographieprojekte zurückzuführen sind. Das im Bild dargestellte Schema ist als Übersicht geeignet.

Was steckt hinter diesen vier Motivationen?
Hier gebe ich Ihnen zunächst eine Kurzfassung:

1.) Prestige / Öffentlichkeit 

Diese Motivation leitet uns, wenn wir Anerkennung suchen und uns der Öffentlichkeit (oder einem bestimmten Kreis) zeigen wollen. Und wenn wir denken, dass unsere Geschichte für andere relevant und interessant ist. (Typische Beispiele: Sensationelle Erlebnisse & Promi-Status)

2.) Wissen / Erkenntnis

Dieser Antrieb liegt vor, wenn wir in unserem Leben ein bestimmtes objektives Wissen oder eine Erkenntnis gewonnen haben, die wir „der Welt“ weitergeben wollen. (Typische Beispiele: Erfahrungsberichte, Krankengeschichten, Unternehmergeschichten, Lebens- und Erkenntniswege von „Gurus“ oder Wissenschaftlern).

3.) Nähe / BeziehungManchmal hat unser Buch eine/n direkten Adressaten/in: Wenn wir unsere Beziehung zu bestimmten Menschen stärken, sie trösten oder versöhnen wollen. Und wenn wir jemandem die große Bedeutung, die er/sie für uns hat, verdeutlichen wollen. (Typische Beispiele:  Ein Buch für mein Kind, Enkelkind, Partner, Nachfahren).

4.) Ich selbst werden

Hier schreibt jemand in erster Linie für sich selbst, es geht also um Ich-Suche und Identitätsklärung. Kurz, um das Bedürfnis, sich selbst besser zu verstehen. Und oft auch darum, uns zu befragen, ob wir den richtigen Weg gewählt haben und zu erkennen, wie es in Zukunft in unserem Leben weitergehen soll. In dieser Motivation liegt also auch eine Dynamik und das Potential, am eigenen zukünftigen Leben mitzuschreiben.

Wozu ist das Schema von den vier Motivationen nützlich?

Hinter jeder dieser Motivationen steht eine ganz bestimmte Auffassung davon, was es eigentlich bedeutet, seine Biographie zu schreiben. Man kann also sagen, die vier Motivationen verdeutlichen, wie breit das Thema Biographie ist. Zugleich führen sie die Widersprüchlichkeit der Auffassungen vor Augen, die oftmals gleichzeitig im Raum sind. Sie sorgen nicht selten für (innere und äußere) Konflikte, zu deren Klärung und Auflösung das Schema beitragen kann.

 

Eine ausführliche Erläuterung zu den vier Motivationen erhalten Sie im aktuellen Video-Vortrag.

Hier geht es zu dem Video.
Hier geht es zu dem im Video erwähnten Handout.

 

Gibt es Zufälle?

Es ist immer wieder interessant zu hören, wie wir Biografinnen und Biografen des Biographiezentrums von potentiellen Kunden gefunden und ausgewählt werden. Eine besondere Geschichte dieses Suchens und Findens möchte ich hier (mit Zustimmung meines Kunden) weitergeben. Seit ein paar Wochen arbeiten wir gemeinsam an seiner umfangreichen Biografie, die 1929 in Rumänien/Siebenbürgen begann und ihn 1972 nach Deutschland führte. Kürzlich schrieb er mir ausführlich, durch welche Zufälle er zu »seiner« Biografin kam:

»Liebe Frau Richter, ein kurzer Einblick über unser seltsames, kurioses Zusammenkommen …

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Wendepunkte im Leben

Wenn wir auf unser Leben zurückblicken, um zu bilanzieren und zu erkennen, was uns ausmacht und wichtig für uns war und noch immer ist, dann ist es hilfreich, die biografischen Wendepunkte in den Blick zu nehmen. Es gibt sie in jedem Werdegang: die Momente, an denen sich das Leben um 180 Grad dreht. Wendepunkte in der Biografie können Gipfel aber auch Talsohlen sein.

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Der rote Faden

Auf meinem Nachttisch liegt ein Tagebuch, in das ich jeden Abend schreibe, worüber ich heute glücklich gewesen bin, was mich mit Dankbarkeit erfüllt und welche Erfolge ich hatte. An einem faulen Sonntag besteht der Erfolg vielleicht nur darin, die Küche aufgeräumt und einen besonders langen Spaziergang mit dem Hund gemacht zu haben. Mich erdet das sehr und beruhigt die zu mir gehörenden Zweifel, ob ich wirklich alles gut genug mache oder eigentlich besser sein sollte.

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Wer schreibt heutzutage eigentlich seine Biographie?

Dies ist mit Abstand die häufigste Frage, die mir als Biographin gestellt wird: „Wer macht so was eigentlich, wer lässt seine eigene Biographie schreiben?“ Die Frage hat etwas mit Verunsicherung zu tun, in ihr schwingt oft mit: „Ich bin ja weder prominent noch Narzisst, ich brauche das nicht zu tun. Und eigentlich darf ich es auch gar nicht.“

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Sich vollständiger fühlen

Ich habe meine beiden Eltern immer wieder angestupst und aufgefordert, ihr Leben aufzuschreiben. Mein Vater machte vor elf Jahren einen Vorstoß, indem er in einem Brief an meine Kinder seine Kindheitserinnerungen an den Krieg schilderte. Einige Jahre später setzte er sich ernsthaft an seine Biografie. Letztes Jahr wurde sie fertig und er verteilte 50 Exemplare an Freunde und Verwandte. Meine Mutter war etwas schneller und hatte die erste Hälfte ihres Lebens schon im Jahr zuvor niedergeschrieben und als Buch drucken lassen.

Die beiden Lebensgeschichten meiner Eltern jetzt im Bücherregal stehen zu haben, bedeutet mir mehr als ich dachte. Sie zum Schreiben angeregt zu haben, war gewissermaßen meinem Beruf geschuldet gewesen. Ich merkte aber zunehmend, dass es mehr mit mir machte. Weiterlesen

Vier Überraschungen

In meiner Arbeit als Biografin leite ich auch Menschen an, die selbst schreiben wollen. Vor fünf Jahren begann in der Volkshochschule Göppingen die erste biografische Schreibwerkstatt. In einer kleinen Gruppe verfassten meine TeilnehmerInnen Erinnerungstexte und lasen vor. Es gab einiges zu staunen. Als ersten Schreibimpuls hatte ich mir überlegt:

„Ein schönes Erlebnis aus meiner Kindheit.“

So allgemein sollte das doch für alle passen. Prompt protestierte eine Frau: „In meiner Kindheit gab es keine schönen Erlebnisse.“

Schock. So schlimm?

Was nun?

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