Willkommen im Blog des Biographiezentrums!

Ergänzend zu unserer Website www.biographiezentrum.de, auf der sowohl alle Mitglieder als auch alle biographischen Angebote und Seminare aufgeführt sind, finden Sie hier aktuelle Beiträge zum weiten Themenbereich des biographischen Arbeitens und Publizierens. Wir laden Sie herzlich ein, sich in Form von Kommentaren und eigenen Beiträgen am Wachstum dieses Forums zu beteiligen.

Erste Impressionen über unsere Arbeit und unsere Mitglieder erhalten Sie auch in den folgenden Filmen:

Film über das Biographiezentrum – Vereinigung deutschsprachiger Biographinnen und Biographen

Mitglieder des Biographiezentrums sprechen über ihre Arbeit

Hallelujah!

Wie aus einer Partyplanung ein autobiographisches Projekt wurde

Da musste ich 48 Jahre alt werden, um einem veritablen Selbstmissverständnis auf die Spur zu kommen. Bis vor Kurzem behauptete ich voller Überzeugung, ich tanze nicht gern. Doch das stimmt gar nicht. Ich tanze sogar sehr gern, aber nur zu Musik, die ich richtig gut finde. Die gemeine Party außer Haus bietet das leider meistens nicht. Sicher, man kann den Party-DJ fragen, ob er das eine Herzenslied spielt, dann warten, ob er sich erbarmen wird, nur um gegebenenfalls beim ersten Akkord wie ein dressierter Hund alles stehen und liegen zu lassen und auf die Tanzfläche zu stürmen für drei Minuten kleines Glück. Das kommt mir ziemlich jugendlich vor, und ich bin nun einmal inzwischen sehr erwachsen.

Wenn ich die Musik selbst aussuchen könnte, sinnierte ich auf der letzten Party so am Rande der Tanzfläche stehend, das wäre toll. Eine Playlist „meiner“ Lieder, einen ganzen Abend lang – was für eine phantastische Vorstellung! Der Gedanke arbeitete und formte sich zu einer Entscheidung: Ich werde meinen 50. Geburtstag auf diese Weise feiern! Ich mache eine Party und suche mir alle Lieder selbst aus!

Ich habe zwei Jahre Zeit, das sollte genügen, um in aller Ruhe eine Liste zusammenzustellen, abzuwägen, Reihenfolgen auszuprobieren, Inspirationen auf Partys zu sammeln, Lieder wieder „rauszuschmeißen“ und am Ende keinen wichtigen Song zu vergessen.

Ich öffnete eine Excel-Liste und schrieb los. Zuerst einmal die Tanzmagneten, die immer gehen: Blur, Peter Fox, Faithless, Underworld, die besten Songs der Neuen Deutschen Welle (Nena!), nach Mitternacht ein bisschen ABBA und — als ich „Udo Jürgens“ eintippe, beschleicht mich der erste kleine Zweifel: Geht das wirklich? Vielleicht finden gar nicht alle Menschen „Griechischer Wein“ so herzrührend und partytauglich wie ich? Vielleicht reißen „Ton Steine Scherben“ doch nicht so viele Leute auf die Tanzfläche, wie ich denke? Ist Talking Heads´ „Burning Down The House“ tatsächlich so genial, oder verkläre ich da etwas, weil es mir vor 35 Jahren auf der Party des Sohnes von Pastor Wagner ein neues Lebensgefühl erschloss?

Dass Lionel Ritchie gar nicht geht, ist mir bewusst. Aber „Hello“ hat einen Platz tief in meinem Herzen, seit ich im Alter von 15 Jahren während meines Sprachkurses in England, ergriffen von Lied und Video, immerfort Tränen der Sehnsucht, des Glücks und des Unglücks hätte vergießen können. Vielleicht geht ja „Dancing On The Ceilin´ oder „All Night Long“ – nur so als Würdigung, als Reminiszenz an die schöne Zeit? Vielleicht spiele ich es ganz am Anfang, wenn noch niemand da ist?

— England, sowieso, hach: Das waren Wham, Nik Kershaw, Howard Jones, Kajagoogoo – großartige Erinnerungen! Aber sind die Songs heute partytauglich? Erst einmal kommen sie alle auf die Liste. Und ich denke an den anderen Sprachkurs, zwei Jahre zuvor, als wir mit ein paar Leuten in London die Nacht durchgemacht haben; als ich in der Hotelbadewanne Ludwigs Haare rot gefärbt und wir kurz vor der Morgendämmerung Brötchen aus dem offenen Transporter eines Bäckereibelieferers geklaut haben.

Versunken in derlei Rückblicke, dämmert mir langsam, dass ich am Anfang eines autobiographischen Projekts stehe. Es sind nicht nur die Lieder, es sind auch die Erinnerungen. Mit „Boat On The River“ von Styx gewann ich in der Schule unseren klasseninternen Song-Contest. Ein Lied meines Lebens. Kommt auf die Liste. Keinen Menschen aber, befürchte ich, locke ich damit hinterm Ofen hervor, geschweige denn auf die Tanzfläche. Gerade erst nannte ein Musikjournalist meines Lieblingssenders die Band  „eine der schlimmsten Kitschrockbands der Siebziger und Achtziger“ und das Lied „furchtbar“.  Das kommt also auch ganz an den Anfang, wenn noch nicht alle da sind. Oder ans Ende, so als Rausschmeißer, wenn es den Leuten sowieso egal ist. Und wo ich gerade dabei bin – was mache ich bloß mit Chris de Burgh?! Nein. Geht wirklich nicht. Was auch wirklich nicht geht, sind die Teens. Was war ich verliebt in Robbie Bauer! Mit zwölf Jahren war ich auf ihrem Konzert in meiner Heimatstadt (meine Mutter stand mit den anderen Müttern hinten in der Halle) und überzeugte meine Eltern sogar, mit mir nach Berlin zu reisen, nachdem ich anhand der Bravo-Foto-Storys zu rekonstruieren versucht hatte, wo Robbie wohnt. Nun höre ich mir ihren ersten großen Hit von damals, „Gimme Gimme Gimme Gimme Gimme Your Love“, nochmal an. Och, geht doch! Kommt auf die Liste. Vielleicht sollte ich die Entscheidung noch einmal prüfen, wenn ich wieder ganz bei Sinnen bin.

Stunden um Stunden verbringe ich seitdem an meiner Liste und auf Youtube, lasse mich leiten und gelange zu Liedern, auf die ich von alleine gar nicht mehr gekommen wäre! Ich wandere vorbei an „Layla“ (Eric Clapton) und „Lola“ (The Kinks), streife die California-Hits der 70-er Jahre und lande wieder bei den 80-ern. „Solsbury Hill“ – untrennbar verknüpft mit einer großen Jugendliebe und unzähligen Aufenthalten in meiner damaligen Stamm-Disco. Gefällt mir gar nicht mehr so super, der Song, aber bin ich ihm nicht irgendwie verpflichtet?

Joe Jacksons „Steppin Out“ war der Soundtrack meines Paris-Aufenthaltes, als ich eine Freundin während ihres Auslandssemesters dort besuchte. Das werde ich ihr widmen. Idee: Ich werde überhaupt jedem Gast ein Lied widmen! Mein alter Freund Volker „bekommt“ Tom Waits – aber wann kann man Waits spielen? Und würde Volker überhaupt kommen? Immerhin haben wir uns Jahre nicht gesehen. Ich beschließe, allen Nichtkommenden „Don´t Know Why I Didn´t Come“ von Norah Jones zu widmen. Und Tom Waits kommt an den Schluss, er ist dort in ehrwürdiger Gesellschaft all der anderen großartigen Songs, die man auf einer Party im Jahr 2019 keinem nüchternen Menschen zumuten kann.

Bleiben noch die Lieder, die man ernsthaft nicht mal mehr nicht-nüchternen Menschen zumuten kann. Ich könnte ein Spiel veranstalten. Es würde vielleicht heißen: „Ist es nicht unglaublich, was mal in den Charts war?“, und dann kann ich „Trojan Horse“ von LUV anspielen. Ich sehe mich noch mit meiner Schulfreundin in ihrem Zimmer – wir müssen acht oder neun Jahre alt gewesen sein –, wie wir die Tanzschritte und vor allem die Armbewegungen üben.

Aber es geht ja noch weiter: Reinhard Mey ist mir heute nicht mehr peinlich. Im Gegenteil: Seit Jahren hören wir ihn und Hannes Wader im Sommer auf unserer Urlaubsterrasse am Mittelmeer. Vielleicht sollte ich „Heute hier, morgen dort“ auf der Playlist unterbringen? Als Reminiszenz an meinen Musiklehrer in der 5. Klasse, der uns das Lied beibrachte?, ich kann es noch heute auswendig. Und erkenne jetzt erst, was wir lernten! (Ich glaube, „Another Brick In The Wall“ war auch dabei.) Was Herr Weichert wohl heute macht, wie es ihm geht? Unversehens bin ich in der Recherche und – habe ihn gefunden! Wie phantastisch kann das Internet sein! (Freut es einen Musiklehrer, wenn er von einer ehemaligen Fünftklässlerin nach fast 40 Jahren ein begeistertes Feedback zu seinem Unterricht erhält? Gerne würde ich auch meinen damaligen Klassenlehrer noch einmal grüßen und ihm sagen, was ich für ein gutes Gefühl in der Erinnerung an ihn und seinen Unterricht habe. Einfach mal Danke sagen. Immer wieder einmal denke ich mit einem Freund an diese Zeit der 5. und 6. Klasse zurück und würde gerne wissen, was ich damals in dem Aufsatz mit dem Titel: „Wo sehe ich mich in 20 Jahren?“ geschrieben habe. Leider finde ich den Aufsatz nicht mehr. Auch über meinen damaligen Klassenlehrer finde ich nichts im Netz und hoffe, dass es ihm gut geht.)

Werde ich die erste LP, die ich damals mein Eigen nannte, mit einem Lied würdigen? Sie lag am Heiligabend unter dem Baum. Und schon meldet sich das alte Weihnachts-Gefühl aus der Kindheit, die Erinnerung an die Aufregung vor und die Gefühle während der Bescherung und an den langen, wunderbaren Abend im Anschluss, den ich schließlich mit meinen Geschenken hatte. Irgendwo müssen die alten Platten noch sein… und ja, im Keller finde ich sie. Ich glaube, es war „high life“, auf der mich damals „Cuba“ von den Gibson Brothers und „Dance Away“ von Roxy Music verzauberten.

Also, ja! Es ist ein autobiographisches Projekt, wie ich es bisher noch nicht begonnen hatte! Ich denke über die Menschen nach, die ich einladen möchte, und die, die ich nicht einladen möchte, und die Gründe für beides. Ich denke über die Menschen nach, die gestorben sind, die ich liebte oder mit denen ich wichtige Zeit meines Lebens verbrachte. Ich denke über das Trauern nach und über das Leben. Ich denke darüber nach, in welcher Zeit wir leben und schiebe den Gedanken gleich wieder weg. Ich bin froh, dass ich lebe und will es feiern!

Und so werde ich die Party beginnen mit „What A Wonderful World“ von Louis Armstrong und beschließen mit Reinhard Meys „Gute Nacht, Freunde“, gefolgt nur noch, während des letzten Glases Wein im Stehen, von Jeff Buckleys „Hallelujah“.

Lebensgeschichte einmal anders – ein modernes (wahres) Märchen

Es war einmal eine Lektorin und Biografin, die eines Tages unverhofft die Lektoratsanfrage eines jungen Mannes erhielt, der in vier Jahren Nachtarbeit im Geheimen einen 550 Seiten langen Roman geschrieben hatte. Und es zeigte sich, dass der junge Mann es eilig hatte, denn sein Roman musste unbedingt bis zum Tag X als Buch vorliegen – und dieser Tag war nicht mehr allzu fern.


Als sie Näheres über die Begleitumstände erfuhr, blieb ihr gar nichts anderes übrig, als den Auftrag anzunehmen, denn sie waren einfach märchenhaft: Der Autor hatte den Roman aus dem einzigen Grund geschrieben, ihn seiner Angebeteten zu Füßen zu legen und ihr damit einen Heiratsantrag zu machen. Wie viele Märchenprinzen mag es wohl geben, die ein Schlafdefizit von vier Jahren auf sich nehmen, um die Hand ihrer einzigen, wahren und großen Liebe zu erlangen?
Genau genommen war das Manuskript noch nicht ganz fertig; es stand also ein Wettlauf mit der Zeit bevor. Die (verfremdet gezeichneten) Protagonisten des Romans sind – es wird vielleicht nicht überraschen – der reale Autor und die Frau seiner Träume. In der Welt des Romans müssen sie Widerstände überwinden, Kämpfe ausfechten und um ihr Leben fürchten, ganz wie im Märchen.
Die Lektorin hatte noch nie einen so romantischen Auftrag erhalten und wähnte sich selbst wie im Märchen. Und sie sah, dass die Fantasie des jungen Autors grenzenlos war, und es verwunderte sie nicht, dass sich ein Teil des Manuskripts als Fantasy erwies.
Wir alle wissen, dass die schönsten Märchen ein gutes Ende haben. Märchenfiguren, die ihr Bestes geben, haben es sehr schwer, doch zum guten Schluss werden sie für alle ihre Entbehrungen belohnt. Die Liebenden, die sich so lange Zeit nacheinander verzehren mussten, finden sich und feiern ihre Hochzeit mit einem großen Fest.
Und tatsächlich, so war es auch hier: Das Buch wurde rechtzeitig fertig – unter Pseudonym – und lag in der Stammbuchhandlung des Liebespaares auf einem Büchertisch bereit, als es eines Tages gemeinsam die Buchhandlung betrat. Die Buchhändlerin war eingeweiht, und als der Autor durch einen fingierten Anruf weggerufen wurde, fragte sie seine ahnungslose Angebetete, ob sie bereit sei, das Buch als Testleserin zu lesen. Diese willigte ein und las daheim Kapitel für Kapitel, bis ihr Geliebter schließlich das Geheimnis lüftete und sie um ihre Hand bat.
Sie nahm seinen Antrag an.
Und nun ist es so weit: Sie feiern ihre Hochzeit – wie könnte es anders sein – auf einem Schloss.
Und sie werden glücklich miteinander leben bis ans Ende ihrer Tage!

Noch Fragen? Was Sie schon immer über Privatbiografien wissen wollten

Backenzahn in Seenot, Flucht aus Ostpreußen, Burnout und Wiedererstarken – das waren Themen der biografischen Matinee am Sonntag im Literaturhaus Berlin.

Mitglieder des Biographiezentrums lasen aus den Biografien ihrer Kunden und zeigten, wie breit das Spektrum erzählten Lebens ist: Es gab spannende, betrübliche, nachdenkliche und heitere Texte.

von links nach rechts: Die BiografInnen Katja Sengelmann, Sabine Tietjen und Dr. Andreas Mäckler

„Ich hatte immer wieder Gänsehaut“, sagte eine Besucherin, die nur zum Zuhören gekommen war. Eine andere wollte sich über Druckpreise informieren, eine Dritte dachte darüber nach, eine Familienbiografie in Auftrag zu geben. Hier bekam sie die Informationen, die sie brauchte: Im Austausch mit den BiografInnen, aber auch im Podiumsgespräch, in dem eine Auftraggeberin nach ihren Erfahrungen befragt wurde.„Ich habe meine Biografie schreiben lassen, weil ich mit einer schwierigen Phase meines Lebens abschließen wollte“, sagte sie. „Das hat geklappt!“

Die Berliner Biografinnen Sabine Tietjen und Katja Sengelmann

„Wir sind sehr zufrieden mit der Matinee, unser Thema Biografie und der stimmungsvolle Raum passten einfach gut zusammen“, sagt Sabine Tietjen, die die Lesung mit organisiert hat. „Ich glaube, wir konnten alles, was man schon immer über Privatbiografien wissen wollte, gut beantworten“, ergänzt Mitveranstalterin Katja Sengelmann.

Sengelmann-Biografien.de

Fotos Helmut Pauly

 

 

Keine Biografie – aber ein Buch, in dem es ums Leben geht

Bild

Obwohl es sich nicht um eine Biografie handelt, möchte ich die Gelegenheit nutzen, auf die Neuerscheinung eines Buches aufmerksam zu machen, das einer meiner Kunden vor wenigen Wochen (in Zusammenarbeit mit Text & Leben) bei tredition veröffentlicht hat.

Da wir als Menschen und Biografen gleichermaßen immer wieder mit dem Leben konfrontiert werden und deshalb mit der Frage, wie Leben gelebt wurde, gelebt wird und gelebt werden kann, hat das Buch
„Das Resilienzgespinst: Resilienz zwischen Mythos und Möglichkeit“
von Dr. Christian Grüninger aus Gütersloh möglicherweise interessante Berührungspunkte für euer Tun oder gibt neue Denkanstöße.

Unterhaltend und mit zahlreichen Beispielen aus dem prallen Leben zeigt der Autor in einer neugierig-kritischen Bestandsaufnahme die Widersprüchlichkeit des Begriffes Resilienz, der zwar gern mit psychischer Widerstandskraft gleichgesetzt wird, in der Forschung jedoch nicht einmal eindeutig definiert werden kann. Er lädt interessierte Laien und Fachleute aus Coaching, Beratung und sozialer Arbeit ein, seinen Überlegungen zu folgen und eine neue Sicht auf das Thema zu gewinnen.
Infos zum Autor: https://tredition.de/autoren/christian-grueninger-19501/
Infos zum e-Book: https://tredition.de/autoren/christian-grueninger-19501/das-resilienzgespinst-e-book-87824/

Beate Friedrich-Lautenbach
Text & Leben in Gütersloh

 

Was Sie schon immer über Privatbiografien wissen wollten

Normalerweise tippen wir BiografInnen im stillen Kämmerlein vor uns hin oder treffen unsere Kunden zum Gespräch in deren Zuhause.

Am 7. Mai ist das anders: Um 11 Uhr sammeln wir Mitglieder des Biographiezentrums uns im Literaturhaus Berlin in der Fasanenstraße 23 und ölen unsere Stimmen.

Die Berliner Biografinnen Sabine Terjung und Katja Sengelmann und BiografInnen aus nah und fern laden zur Matinee ein

Denn dann präsentieren wir uns der Öffentlichkeit und

  • lesen aus Biografien unser Kunden
  • präsentieren ein Kapitel aus unserem im letzten Jahr gemeinsam verfassten Ratgeber Wege zur Biografie
  • lassen im Podiumsgespräch eine Auftraggeberin zu Wort kommen, die davon berichtet, wie es ist, das eigene Leben niederschreiben zu lassen
  • erwarten Ihre Fragen und
  • legen unsere Bücher zum Schmökern aus.

Kommen auch Sie und erfahren alles, was Sie schon immer über Privatbiografien wissen wollten. Wir freuen uns auf einen schönen Sonntagmorgen!

Der Eintritt ist frei.

Mehr Infos: Katja Sengelmann www.sengelmann-biografien.de oder www.biografiegespraech.de oder: 0172 93 29 175

Eine neue Erfahrung

Eine neue Erfahrung

Jetzt ist es passiert: ich habe erstmals einen Kunden, der jünger ist als ich. Gut, ich habe mich daran gewöhnt, dass seit geraumer Zeit in meinem Brot-und-Butter-Job als Technischer Redakteur meine Chefs jünger sind als ich und noch in den Kindergarten gingen, als beispielsweise auf der Bonner Hofgartenwiese die große Friedensdemonstration stattfand. Aber in unserem Metier des Lebensgeschichtenaufschreibens hatte ich bisher immer mit hochbetagten Herrschaften zu tun, die gelegentlich nach Ende des Projekts das Zeitliche segneten – oder in einem Fall auch davor.

Und jetzt ist also der Kunde jünger als ich. Zwar nur ein halbes Jahr, aber immerhin. Wir haben den selben Geburtsjahrgang, sind in ähnlichem, kleinbürgerlichem Milieu aufgewachsen und haben in unserer Kindheit die selben Entwicklungsphasen der westdeutschen Bundesrepublik mitgemacht. Wir begeisterten uns für die gleichen schnellen Autos und liebten die selben Helden aus der Comic-Welt (Fix und Foxi), dem Kino (Winnetou I-II-III…) und der Popmusik (Stones, Beach Boys …). Was meinen Gesprächspartner und Kunden fundamental von mir unterscheidet ist ein enormer beruflicher Ehrgeiz und ein unglaubliches Vorwärtsstreben, einhergehend mit einem geschäftlichen Erfolg, der dazu angetan ist, einen schwindelig zu machen. Der Mann leitet ein Anzahl von Firmen, die aus einer kleinen Keimzelle entstanden sind. Ein Macher, dem nie etwas genug ist und der immer wieder nach vorne strebt. Den sein Auto nach einem halben Jahr langweilt und der dann ein anderes braucht. Der das Bedürfnis hat, etwas „zu tun“ und sich deshalb nebenher als Kunst-Mäzen betätigt. Und der wohl nicht auf die Idee gekommen wäre, sein Leben aufzuschreiben – das war die Idee seiner Kinder zu einen runden Geburtstag. Erfreulicherweise war er bereit dazu und hat sich Zeit für Interviewtermine mit mir genommen. Für genau zwei, muss ich dazu sagen, die jeweils drei Stunden dauerten. Ganz auf Effizienz getrimmt hatte er sich genau überlegt, was er erzählen wollte und mir das inklusive vorstrukturierter Kapitel aufs Aufnahmegerät gesprochen. Und dabei nicht versäumt, klarzustellen, dass er sich erst auf der Hälfte seines beruflichen Werdegangs sieht und wir uns an seinem 100. Geburtstag dann im Kreise von 40 Urenkelkindern den Rest vornehmen könnten.

Was sich jetzt liest wie ein unerfreuliches Projekt mit einem dominanten, realitätsfernen Gegenüber, erwies sich als das völlige Gegenteil. Mit ruhiger Stimme ließ er sein Leben Revue passieren, sparte nicht an selbstkritischer Reflexion und verschwieg auch persönliche Fehler, Rückschläge und tragische persönliche Verluste nicht. Durch sein gut sortiertes Erzählen blieb mir auch viel Arbeit erspart, die ich sonst mit dem Aufräumen von Gesprächssplittern verbringen muss. Alles in allem wird es auch kein dickes Buch, dafür reichen zwei Interviewtermine nicht aus, und beim Korrekturlesen hat er noch etliche Passagen gestrichen, um Menschen, die er liebt nicht auf den Schlips zu treten. Und so ist es am Ende geworden wie er es will: kurz und knapp – und ehrlich.

Mir bleibt von diesem Projekt wieder einmal die Erkenntnis, dass man sich vor vorschnellen Urteilen hüten sollte und jeder Mensch einen zweiten Blick wert ist. Denn mir ging es wie wohl vielen, die den Anfang dieses Beitrags gelesen haben. Was für ein unmöglicher Kerl, dachte ich! Um dann festzustellen, dass ich ihn voreilig in eine Schublade gepackt hatte. Und im Nachhinein zu merken, dass die Kinder, die ihm das Biografieprojekt geschenkt haben, das voller Zuneigung getan haben in dem Wissen, dass „der Alte“ darauf nie gekommen wäre.

Biografien im Self-Publishing – Wie ein Buch das Licht der Welt erblickt

Sie schreiben Ihre Biografie oder Ihre biografischen Erinnerungen? Sehr gut.
Mit Unterstützung eines/einer erfahrenen Biografin? Ausgezeichnet!

narrative-794978_1280Sie möchten Ihre Geschichte als Einzelexemplar oder in kleiner Auflage im Copyshop vervielfältigen oder in einer Druckerei perfekt drucken und binden lassen – auf dass Ihre Lebensgeschichte im familiären/privaten Umfeld verteilt und weitergereicht wird und so der Nachwelt erhalten bleibt?
Dann haben Sie das Wichtigste erreicht: Sie werden nie vergessen werden. Zumindest nicht im Kreis von Freunden und Verwandten.

Vielleicht aber hoffen Sie (warum auch nicht!), dass Ihre einzigartige Lebensgeschichte auch fremde Menschen bereichern, faszinieren, erheitern oder stärken könnte … Weiterlesen

Die Macht unterbewusster Zweifel

Es war hier mehrfach die Rede von Kosten, die eine private Biografie verursacht. Die Beispielrechnungen kann ich voll bejahen, die Realität sähe oft noch wesentlich teurer aus, wenn man den gesamten Aufwand in Cent und Euro ummünzen würde. Ich möchte hier noch einen anderen Gedanken in den Vordergrund stellen: das Bewusstsein des Kunden bzw. des Interessenten als möglichen Entscheidungsfaktor pro oder kontra Biografieprojekt. Weiterlesen

Buchmesse Frankfurt: Unsere Kollegin Grit Kramert über Privatbiografien

Erfahrene Autorin, Gewinnerin des Biografiepreises 2015, Mitherausgeberin des Handbuchs für Biografen – kein Wunder, dass Grit befragt wurde, als der Radiosender SWRinfo sich mit dem Thema Biografie befasste. Die Redaktion griff auf, dass die Biografie als Genre auf der Buchmesse ihren ganz eigenen Platz einnimmt. Vermehrt befassen sich nicht nur Promis sondern auch „Normalsterbliche“ mit ihrer eigenen Geschichte.

SWR info Moderator Stefan Eich wollte am 19. Oktober von Grit wissen, wie es ist mit dem Schreiben einer Privatbiografie: Wie lange dauert es, was kostet es, wie strukturiert man eine Biografie? Grits Antworten auf all diese Fragen gibt es hier im Interview zu hören Warum viele ihr Leben aufschreiben und hier zu lesen: Probleme verstaut zwischen Buchdeckeln

Die Frankfurter Buchmesse läuft noch bis zum Sonntag, den 23. Oktober 2016.

Frankfurter Buchmesse Logo

 

Was kostet eine Biografie?

Kosten für eine Biografie

 „Was kostet eine Biografie?“ Danach googelte ich kürzlich – und war überrascht über die Bandbreite der Treffer. So las ich von Angeboten unter 1.000 Euro und frage mich, wie das vonstatten gehen soll. Doch dazu später.

Häufiger sah ich Angebote ab 3.000 Euro, für 5.000 bis 6.000 Euro gibt es Festpreisangebote einiger Verlage für standardisierte Biografien. Aber kann man Lebensgeschichten standardisieren? Weiterlesen